Die Coronaverschwörung

Whistler, Juni 2020

Ein weiteres Phänomen dieser Zeit war die exponentielle Zunahme an Verschwörungstheorien. In der Anfangszeit war hier die Zielperson von Anfeindungen Bill Gates. Als Beleg hierfür wurden Ausschnitte aus einem älteren Vortrag, aus dem Kontext gerissen, zusammen geschnitten und waren binnen kürzester Zeit viral. Was für ein Hoax. Und in Berlin stand ein deutscher Vegankoch mit türkischem Migrationshintergrund auf einem öffentlichen Platz und erzählte der Menge „seine“ Wahrheit über die „bevorstehende neue Weltordnung“, über die Verschwörung der Juden gegen die „deutsche Rasse“ und setzte gleichzeitig online Kopfgelder auf Politiker aus. Und die Menschen glaubten diese einfachen Wahrheiten, hörten diesen Menschen zu und folgten ihnen. Einfache Wahrheiten, klare Botschaften, schwarz/weiß, eindeutige Feindbilder – das erinnerte mich an eine Zeit vor über 80 Jahren. Und das im angeblich aufgeklärten Deutschland.

Aber was soll man erwarten, wenn die nächste Schlagzeile lautete, dass es Nachts nach einer Großparty auf dem Opernplatz in Frankfurt zu einer Massenschlägerei zwischen hunderten Partyteilnehmern und der Polizei gekommen sei, in deren Folge 38 Männer und eine Frau, festgenommen wurden – alle mit Migrationshintergrund. Ich fragte mich hier viel eher, wie es überhaupt in diesen Zeiten zu solch einer Großveranstaltung kommen konnte. Stadien waren gesperrt, die Bundesliga ohne Zuschauer beendet worden, Veranstaltungen von über 10 Personen waren weiterhin verboten – und die täglichen Zahlen von Neuinfektionen in Deutschland betrug zwischenzeitlich wieder über 500. Wie sollten 3.000 Menschen auf dem Opernplatz unter Einhaltung von Hygieneauflagen, Abstandsregeln und mit Mundschutz bitte zusammen gekommen sein? Der Faktor Mensch war das schwache Element bei der Bekämpfung des Virus. Und offensichtlich waren wir Deutschen nicht so weit von den Amerikanern entfernt, wie wir hofften. Die nächste schlaflose Nacht.

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