Corona und USA

Whistler, Juli 2020

Der nächste große Gedankenkomplex in schlaflosen Nächten drehte sich natürlich um Covid-19. Am 28.06.2020 überschritten wir die Grenze von 10 Mio. Infizierter weltweit – am 22.07.20 waren es schon 15 Mio. Infizierte, bei über 600.000 Toten. Tendenz steigend. Ich erinnere mich noch an die ersten Zahlen im März und als die damals unglaubliche Schwelle von 2 Mio Infizierter überschritten wurde. Mir war von Beginn an bewußt, dass die Gefahr dieses neuen Virus weniger in seiner Tödlichkeit, als in seiner langen Inkubationszeit lag. Im Gegensatz zu einer Grippe, die innerhalb von 3-5 Tagen ausbrach, dauerte es hier 14 Tage und länger, bis man Symptome entwickelte. In dieser Zeit konnten etliche weitere Personen angesteckt werden – die Ausbreitung wurde dadurch automatisch exponentiell. Einzige Möglichkeiten einer Eindämmung waren sofortige nachhaltige und einschränkende Maßnahmen, die in Deutschland auch schnell zu einem Erfolg führten. Allerdings eben auch nur in Deutschland. Während die Zahlen dort sanken, stiegen sie in den umliegenden Ländern der EU stetig an. Von den weltweiten Folgen ganz zu schweigen. Und anders als zu Zeiten der spanischen Grippe vor 100 Jahren, der 20-50 Mio Menschen weltweit in drei Infektionswellen zum Opfer fielen, hatten wir heute einen weltumspannenden Flugverkehr.

Im hier benachbarten Land USA wurden im Juli 2020 annähernd täglich neue Rekordzahlen gemeldet – nicht nur an Neuinfektionen, sondern auch an Toten. Bis Ende Juli starben in den USA fast 150.000 Menschen, nachdem der amtierende Präsident Donald Trump zu Beginn der Pandemie im März noch meinte, dass nicht mehr als 80.000 Amerikaner an dem neuen Virus sterben würden, der nichts weiter als eine „Grippe“ aus China sei – eine „Kung Flu“.

Und erst, als dieser Präsident, der bislang alle Gefahren rund um das Virus negierte, um seine Wiederwahl im November bangen musste, empfahl er endlich Masken zu tragen. Eine bemerkenswerte Kehrtwendung eines Men-schen, der noch 2 Wochen vorher das Tragen von Masken kategorisch ablehnte, bis Mai ein Malariamittel im Kampf gegen das Virus anpries – obwohl dessen Unwirksamkeit schon in mehreren Studien belegt worden war – und der in einer Pressekonferenz Ende April öffentlich über das Spritzen von Desinfektionsmitteln nachdachte. Offensichtlich litt er an retrograder Amnesie, denn sein „Geschwätz von gestern“ schien ihn nicht weiter zu stören – offensichtlich ebensowenig wie einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung, die ihm weiterhin frenetisch bei seinen Wahlkampfveranstaltungen zujubelten. Natürlich ohne Einhaltung des sozialen Abstandes und ohne Maske – aber mit großer Begeisterung: America is great! Und wenn es das nicht mehr war, dann lag es eindeutig an der von China gekauften Weltgesundheitsorganisation WHO, an China per se, oder der AntiFa im eigenen Land. Erstaunlich, wie kurzweilig Nachrichten und Informationen waren. Wie konnte es sein, dass Frauen und Afroamerikaner diesem nachgewiesenem Rassisten und Macho, dem mehrfach frauenfeindliche und diskriminierende Äußerungen nachgewiesen waren, auf Veranstaltungen zujubelten? Ein Mensch, der diesem öffentlichen Amt offensichtlich nicht würdig war, dieses Amt aus meiner Sicht respektlos beschmutzte. Wie konnte es sein, dass dieser Mensch die Macht erhielt, gegebenenfalls über den Einsatz von Atomwaffen zu entscheiden? Und es gab offensichtlich keine Möglichkeit ihn aus dem Amt zu entfernen. Und was noch schlimmer war: auch kein wirkliches Interesse. Ich begann an der Effizienz dieses demokratischen Systems zu zweifeln und verarbeitete meine Zweifel in einigen Karikaturen. 

Allerdings war Trump hier in seinem Bestreben nicht allein. Das aktuell am zweitstärksten betroffene Land auf der Welt war Brasilien, dessen faschistischer Präsident Jair Bolsonaro selbst nach eigener Infektion im Juli weiterhin die Gefahren durch das neue Virus negierte und, ähnlich Trump, das schon lange als unwirksam nachgewiesene Malariamittel als seine Medizin propagierte. Weltweit waren Regierungen offensichtlich unfähig, sinnvoll auf die Bedrohungen durch das Virus zu reagieren. Einziger Fokus war die möglichst schnelle Rückkehr zum „Vor-Zustand“, dem Öffnen der Wirtschaft und dem Verteilen von Fördergeldern. Kein Wort davon, dass es keine „Rückkehr“ mehr geben würde, dass sich Systeme verändern müssten – alles sollte bitte so weiter gehen wie vorher. Blindheit von Menschen, die wissen, dass sie die Auswirkungen nicht zu fürchten hatten, da sie eh abgesichert waren?

In diesem Zusammenhang drängten vor allem Länder, die auf den Tourismus – insbesondere natürlich auf die gut zahlenden deutschen Urlauber – angewiesen waren, darauf, Reisewarnungen und -beschränkungen aufzuheben. Und das, obwohl es in diesen Ländern weiterhin steigende Fallzahlen gab. Der Effekt der Freizügigkeit waren hunderte feiernde Deutsche am Ballermann auf Mallorca. Regierungen waren offensichtlich eben nur so intelligent, wie die Bevölkerung, die sie wählte. Und parallel tagten Ausschüsse und Parlamente in Sondersitzungen und genehmigten einen Nachtragshaushalt nach dem anderen. Mit Geld ließ sich scheinbar alles einfach regeln. Ansonsten hoffte man auf den bald verfügbaren Impfstoff – das nächste Riesengeschäft – damit alles wieder wie gewohnt weiter verlaufen konnte. Lineare Gedanken in einer chaotischen Zeit: das konnte nicht funktionieren. Schon gar nicht, nachdem es langsam erste Bedenken gab, ob es überhaupt einen dauerhaften Impfstoff geben könnte, da sich die Antikörper im Blut scheinbar relativ schnell wieder abbauten. Toll: häufig Impfen – noch größeres Geschäft machen. Guten Morgen!

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